Siena: die gotische Stadt als Gesamtkunstwerk
Die sechs Motive zeigen, wie eng in Siena Stadtgestalt, bürgerliche Regierung und sakrale Kunst miteinander verbunden sind. Der Dom und die Piazza del Campo stehen dabei nicht isoliert: Sie gehören zu einem mittelalterlichen Stadtgefüge, das sich über drei Hügel entwickelt hat und seinen gotischen Charakter bis heute bewahrt.
AP 535, AP 009, AP 128 und AP 313 · Piazza del Campo
Die drei Hauptstraßen Sienas treffen in einem Tal zusammen, aus dem die muschelförmige Piazza del Campo hervorging. Ihr zum Palazzo Pubblico abfallendes Backsteinpflaster gliedert sich fächerartig in neun Felder. Die Platzwände bilden trotz unterschiedlicher Bauzeiten ein geschlossenes Ensemble; bis heute ist der Campo zweimal jährlich Schauplatz des Palio. AP 535 und die kleinere Ausgabe AP 009 zeigen den politischen Mittelpunkt farbig mit Palazzo Pubblico und Torre del Mangia. AP 128 verbindet Fassadenstudien, Details und historische Ansichten zu einer dokumentarischen Übersicht. AP 313 entfaltet die lange, sanft gekrümmte Häuserfront als schmales Panorama.
AP 536 · Palazzo Pubblico und Torre del Mangia
Der Palazzo Pubblico wurde ab 1297 im Auftrag der Regierung der Neun als Sitz der Republik errichtet. Bis 1311 waren der mittlere Baukörper und der rechte Flügel vollendet; der linke Bereich für den Podestà folgte 1325 bis 1331. Backsteinflächen, helle Maßwerkfenster und der zinnenbekrönte Abschluss machen den Palast zu einem Hauptwerk der mittelalterlichen Profanarchitektur. Die fast 87 Meter hohe Torre del Mangia wurde im 14. Jahrhundert unmittelbar an den Palast gesetzt und prägt mit ihm die Silhouette der Stadt. AP 536 zerlegt das über Jahrhunderte erweiterte Ensemble in Gesamtansicht und einzelne Bauabschnitte. Im Inneren erinnert Ambrogio Lorenzettis 1338/39 gemalter Zyklus vom Guten und Schlechten Regiment an die politische Aufgabe des Gebäudes.
AP 543 und AP 362 · Der Dom von Siena
Santa Maria Assunta vereint romanische Grundformen mit einer reich bewegten gotischen Fassade. Giovanni Pisano leitete die Dombauhütte von 1284 bis 1297, wirkte entscheidend am unteren Fassadenteil mit und schuf Propheten, Sibyllen und antike Philosophen als skulpturales Programm. Die Originalfiguren befinden sich heute im Museo dell’Opera; an der Fassade stehen Kopien. Weißer, grüner und roter Marmor, tiefe Portale, Giebel und Fialen machen die Front zu einer vielschichtigen Verbindung von Architektur, Skulptur und Farbe. AP 543 und die kleinere Ausgabe AP 362 geben diese Detailfülle in einer präzisen farbigen Vorderansicht wieder.
AP 537 · Der Marmorboden des Doms
Der Boden des Doms ist kein ornamentaler Belag, sondern ein zusammenhängendes Bild- und Gedankenprogramm. Seine 56 Felder entstanden vom 14. bis zum 19. Jahrhundert nach Entwürfen bedeutender Künstler; fast alle waren Sienesen, lediglich Pinturicchio stammte aus Umbrien. Bei der Graffito-Technik werden Linien in weißen Marmor eingeschnitten und dunkel verfüllt, während die Marmorintarsie verschiedenfarbige Steine wie eine Einlegearbeit zusammensetzt. Sibyllen, biblische Szenen und allegorische Figuren führen durch einen Weg zur Weisheit. AP 537 macht den vollständigen Grundriss und die Lage jedes einzelnen Feldes auf einen Blick erfassbar.