Pariser Architektur: Gotik, Klassizismus und Moderne
Die elf Motive führen durch mehr als acht Jahrhunderte Pariser Baugeschichte. Sakralbauten auf der Île de la Cité stehen neben königlichen Palästen und privaten Stadtresidenzen, Monumente des 18. und 19. Jahrhunderts neben zwei radikalen Konstruktionen aus Eisen, Glas und Stahl. In den sorgfältigen Fassadenzeichnungen lassen sich nicht nur berühmte Wahrzeichen, sondern auch die wechselnden Vorstellungen von Repräsentation, Öffentlichkeit und moderner Stadt vergleichen.
AP 560, AP 018 und AP 233 · Notre-Dame und Sainte-Chapelle
Der Bau von Notre-Dame begann 1163 unter Bischof Maurice de Sully. Die in AP 560 und der kleineren Ausgabe AP 018 gezeigte Westfassade entstand im Wesentlichen zwischen 1208 und 1250: Drei Figurenportale, Königsgalerie, große Rose und die beiden unvollendet gebliebenen Türme bilden eine klar gegliederte Schauseite der französischen Gotik. Nur wenige Schritte entfernt ließ Ludwig IX. die Sainte-Chapelle in weniger als sieben Jahren für die Dornenkrone und weitere Passionsreliquien errichten. AP 233 zeigt den schlanken zweigeschossigen Palastkapellenbau, dessen Strebewerk die obere Kapelle mit ihren fünfzehn hohen Glasfenstern ermöglicht.
AP 108 und AP 109 · Das klassische Paris
Paris à l’âge classique (AP 108) ordnet Kirchen, Kuppelbauten, Tore und öffentliche Fassaden des 17. und 18. Jahrhunderts zu einer vergleichenden Architekturgeschichte. Die wiederkehrenden Säulenordnungen, Mittelrisalite und symmetrischen Flügel zeigen, wie antike Formen für Monarchie, Kirche und Stadt neu interpretiert wurden. AP 109 konzentriert sich auf die hôtels particuliers, die privaten Stadtpaläste des Adels und des wohlhabenden Bürgertums. Ihre Fassaden verbergen häufig eine Folge aus Eingang, Ehrenhof, Hauptgebäude und Garten – eine Pariser Bautypologie, die repräsentatives Wohnen in das dichte Stadtgefüge einpasste.
AP 393 und AP 394 · Der Louvre zwischen Palast und Museum
Die Ostfassade des Louvre entstand unter Ludwig XIV. im Zusammenwirken von Louis Le Vau, Charles Le Brun und Claude Perrault. Ihre lange freistehende Kolonnade verbindet paarweise gesetzte Säulen, einen tempelartigen Mittelteil und streng symmetrische Seitenpavillons zu einem Hauptwerk des französischen Klassizismus; AP 393 macht den gesamten Fassadenrhythmus lesbar. AP 394 stellt die Palastfronten des 19. Jahrhunderts in der Cour Napoléon der gläsernen Pyramide I. M. Peis gegenüber. Die 1989 eröffnete Pyramide belichtet einen zentralen unterirdischen Eingangsbereich und lässt durch besonders transparentes Glas die historischen Fassaden sichtbar.
AP 711, AP 021, AP 392 und AP 016 · Panthéon und Arc de Triomphe
Jacques-Germain Soufflot entwarf das Panthéon ursprünglich als Kirche Sainte-Geneviève für Ludwig XV.; 1764 wurde der Grundstein gelegt, 1790 vollendeten Mitarbeiter den Bau. Schon 1791 wandelte die Revolution ihn erstmals in eine nationale Ruhmeshalle um. AP 711 und AP 021 zeigen den kreuzförmigen Kuppelbau mit seinem korinthischen Tempelportikus. Der Arc de Triomphe wurde 1806 von Napoleon in Auftrag gegeben und nach Entwürfen Jean-François-Thérèse Chalgrins 1836 vollendet. AP 392 und AP 016 verbinden seine monumentale Einbogenform mit den großen Reliefgruppen, die militärisches Gedenken und nationale Geschichte in Stein übersetzen.
AP 561 und AP 017 · Das Palais Garnier
Charles Garnier gewann 1861 den Wettbewerb für das neue Pariser Opernhaus und arbeitete vierzehn Jahre an dem 1875 eröffneten Bau. Die Hauptfassade staffelt Arkaden, Doppelstützen, farbigen Marmor, vergoldete Skulptur und eine hohe Attika zu einer festlichen Bühne im Stadtraum. AP 561 und die kleinere Ausgabe AP 017 zeigen, wie die Fassade zugleich den gesellschaftlichen Rang der Oper und die innere Abfolge von Eingang, Treppenhaus, Foyers und Zuschauerraum ankündigt.
AP 395 · Der Eiffelturm
Der 300-Meter-Turm wurde für die Weltausstellung von 1889 entwickelt. Die Ingenieure Maurice Koechlin und Émile Nouguier formulierten 1884 die Grundidee; der Architekt Stephen Sauvestre überarbeitete ihre Gestalt, Gustave Eiffel führte das Unternehmen und den Bau. Zwischen Januar 1887 und März 1889 wurden mehr als 18.000 vorgefertigte Eisenteile mit rund 2,5 Millionen Nieten montiert. AP 395 isoliert die konstruktive Logik des Bauwerks: Vier gekrümmte Gitterstützen nehmen die Windkräfte auf, spreizen sich am Boden und wachsen über drei Plattformen zu einer einzigen Spitze zusammen.
AP 396 · Centre Pompidou
Renzo Piano und Richard Rogers gewannen 1971 den internationalen Wettbewerb für das Centre Pompidou; 1977 wurde das Kulturzentrum eröffnet. Um im Inneren möglichst große, frei nutzbare Geschosse zu schaffen, verlegten sie Tragwerk, Versorgung, Aufzüge und Rolltreppen an die Außenseiten. Die farbcodierten Leitungen und die gläserne „Raupe“ der Rolltreppe werden dadurch selbst zur Fassade. AP 396 zeigt diese bewusst sichtbare technische Infrastruktur als langes, bewegtes Gegenbild zur steinernen Monumentalarchitektur der älteren Pariser Motive.