Mailand und Genua: Kathedrale, Theater und Palaststraße
Die vier Motive verbinden zwei norditalienische Metropolen mit sehr unterschiedlichen Bauaufgaben. In Mailand stehen eine über Jahrhunderte gewachsene Kathedrale und ein bewusst zurückhaltendes klassizistisches Opernhaus einander gegenüber. In Genua bilden die Fassaden der Strada Nuova ein geschlossenes Stadtprojekt, das den Reichtum der damaligen Handels- und Finanzrepublik sichtbar machte.
AP 542 und AP 361 · Der Mailänder Dom
Der Bau des Mailänder Doms begann 1386 an der Stelle älterer Kirchen. Gian Galeazzo Viscontis Entscheidung für den hellen Marmor aus Candoglia statt des in der Lombardei üblichen Backsteins ging mit einer konsequent gotischen Formensprache einher. Dafür wurden Baumeister, Steinmetzen und Bildhauer aus verschiedenen Teilen Europas nach Mailand geholt. Der Dom blieb über Generationen eine Baustelle: 1774 wurde die vergoldete Madonnina auf die große Vierungsspitze gesetzt, und von 1807 bis 1813 erhielt die Fassade auf Initiative Napoleons ihren weitgehend vollendeten Zustand. AP 542 und die kleinere Ausgabe AP 361 zeigen die dichte Staffelung aus Portalen, Maßwerk, Skulpturen und Fialen in einer farbig ausgearbeiteten Frontalansicht.
AP 375 und AP 007 · Teatro alla Scala
Nach dem Brand des Mailänder Teatro Ducale im Jahr 1776 ließ Kaiserin Maria Theresia ein neues Opernhaus errichten. Giuseppe Piermarini entwarf den klassizistischen Bau auf dem Grundstück der abgebrochenen Kirche Santa Maria alla Scala, von der das Theater seinen Namen erhielt. Am 3. August 1778 wurde es mit Antonio Salieris Oper L’Europa riconosciuta eröffnet. Die ruhige Fassade verbirgt den auf Wirkung und Akustik berechneten Zuschauerraum: Ein rustiziertes Sockelgeschoss, der vorspringende Mittelteil und die klare Pilasterordnung geben dem öffentlichen Gebäude Würde, ohne seinen städtischen Maßstab zu sprengen. AP 375 und AP 007 konzentrieren sich auf diese ausgewogene Hauptfront.
AP 309 und AP 310 · Genuas Strada Nuova und die Palazzi dei Rolli
Die heutige Via Garibaldi wurde zwischen 1551 und 1583 oberhalb der dicht bebauten mittelalterlichen Altstadt als Strada Nuova angelegt. Eine öffentliche Planung teilte das Gelände nach einem einheitlichen Konzept in Grundstücke für die Paläste der reichsten genuesischen Familien. 1576 führte der Senat die Rolli degli alloggiamenti pubblici ein: Besonders vornehme Privathäuser wurden in Listen geführt und mussten bei Bedarf Staatsgäste der Republik aufnehmen. Die drei- oder viergeschossigen Residenzen reagieren mit offenen Treppen, Höfen, Loggien und Gärten erfinderisch auf die Hanglage. AP 309 dokumentiert die talseitige Straßenfront (Lato a Valle), AP 310 die bergseitige (Lato a Monte). Erst nebeneinander zeigen beide Panoramen den vollständigen Rhythmus der individuellen, dennoch aufeinander abgestimmten Renaissance- und Barockpaläste.