Architekturordnungen und gezeichnete Systeme
Diese sechs Architekturplakate zeigen, wie historische Lehrbücher Baukunst in Regeln, Maße und Bilder übersetzten. Die klassischen Säulenordnungen werden vom vollständigen System bis zum einzelnen Kapitell untersucht; Johann David Steingruber verwandelt dagegen Buchstaben in ungewöhnliche Gebäudegrundrisse.
AP 405 und AP 210 · Claude Perrault, Les cinq ordres d’architecture
Claude Perrault veröffentlichte 1683 in Paris seine Ordonnance des cinq espèces de colonnes selon la méthode des anciens. Die dargestellte erste Tafel ordnet die toskanische, dorische, ionische, korinthische und komposite Säule nebeneinander in ein gemeinsames Proportionsraster. Basen, Schäfte, Kapitelle und Gebälke lassen sich dadurch unmittelbar vergleichen. AP 405 bewahrt den Charakter der historischen Lehrbuchseite, während AP 210 dieselbe Darstellung durch Titel und Bezeichnungen der fünf Ordnungen als übersichtliches Schaubild lesbar macht.
AP 203 · Francesco Muttoni, Ordine Dorico
Francesco Muttoni widmete sich im 18. Jahrhundert in einer umfangreichen Edition der Architektur Andrea Palladios. Die dorische Tafel zerlegt die Ordnung in messbare Einzelteile: Säulenschaft und Basis, Kapitell, Architrav, Triglyphenfries und Gesims sind mit Maßzahlen und Konstruktionslinien versehen. Rosetten, Rautenfelder und ein Bukranion im Metopenfeld verdeutlichen zugleich, wie geometrische Proportion und plastischer Schmuck innerhalb derselben Ordnung zusammenwirken.
AP 209 und AP 204 · Ionische und korinthische Kapitelle
Giacomo Barozzi da Vignolas 1563 erschienene Regola delli cinque ordini d’architettura wurde zu einem grundlegenden Bild- und Regelwerk der europäischen Architekturlehre. AP 209 konzentriert sich auf die ionische Ordnung mit ihren Voluten, dem Eierstab und einem reich ornamentierten Gebälk; Maßketten und Hilfslinien erklären die Konstruktion. AP 204 kehrt zu Perrault zurück und vergleicht korinthische Kapitelle mit ihren gestaffelten Akanthusblättern und Voluten. Grundriss, geometrische Herleitung und ein antikes Fragment verbinden Idealregel und Untersuchung des überlieferten Bauteils.
AP 202 · Johann David Steingruber, Architektur-Alphabet
Johann David Steingrubers 1773 in Schwabach gedrucktes Architectonisches Alphabeth umfasst dreißig Entwürfe. Die Umrisse der Buchstaben werden darin zu Grundrissen für fürstliche Wohnbauten, Kapellen, Kirchen und ein Kloster weiterentwickelt. Das Plakat versammelt die Buchstaben A bis Z als kompakte Übersicht. Treppen, Raumfolgen, Höfe und Säle folgen der jeweiligen Buchstabenform und machen aus Schrift zugleich ein spielerisches Experiment barocker Architekturplanung.