Spanische Architektur: Alhambra, El Escorial und Barcelona
Die Architekturplakate verbinden drei Epochen und drei sehr unterschiedliche Vorstellungen von Raum. Die Nasridenpaläste der Alhambra entfalten ihre Wirkung durch Höfe, Wasser, Licht und feinste Oberflächen; El Escorial übersetzt das Macht- und Glaubensverständnis Philipps II. in eine strenge monumentale Ordnung. Barcelona wiederum zeigt mit Antoni Gaudís Modernisme und dem Pavillon von Mies van der Rohe zwei radikal neue Wege in die Moderne. Historische Ansichten, Lagepläne, Schnitte und Fassadenzeichnungen machen diese Gegensätze unmittelbar vergleichbar.
AP 521 · Antoni Gaudí: Architektur als Gesamtkunstwerk
AP 521 gibt einen Überblick über Antoni Gaudís Werk von den frühen Wohnhäusern bis zur Sagrada Família. Fassaden, Grundrisse, Schnitte, Innenräume und Details stehen gleichberechtigt nebeneinander. Dadurch wird sichtbar, dass Gaudí Architektur nicht als äußere Hülle verstand: Tragwerk, Raum, Mobiliar, Keramik, Schmiedeeisen und symbolischer Schmuck bilden ein zusammenhängendes Ganzes. Seine Bauten verbinden katalanische Traditionen und handwerkliche Techniken mit den konstruktiven Möglichkeiten der industrialisierten Zeit.
Sieben Werke Gaudís in und um Barcelona gehören heute zum UNESCO-Welterbe, darunter Park Güell, Palau Güell, Casa Milà, Casa Vicens, Casa Batlló sowie Teile der Sagrada Família und die Krypta der Colònia Güell. Das Übersichtsblatt macht die Spannweite dieses sehr persönlichen Modernisme verständlich: von farbigen, nahezu märchenhaften Oberflächen bis zu geometrisch entwickelten Gewölben, geneigten Stützen und räumlichen Modellen, mit denen Gaudí komplexe Lastverläufe untersuchte.
AP 522 und AP 554 · Park Güell, Trencadís und Dachlandschaften
Eusebi Güell beauftragte Gaudí 1900 mit einer Gartenstadt auf dem kargen Gelände des heutigen Park Güell. Das Wohnprojekt blieb wirtschaftlich erfolglos, doch Straßen, Viadukte, Eingangsbauten, die Säulenhalle und der große Platz wurden zu einem neuartigen Zusammenspiel von Architektur und Landschaft. AP 522 konzentriert sich auf den Trencadís der geschwungenen Platzbank: Bruchstücke von Fliesen, Tellern und anderen Keramiken werden zu abstrakten Rhythmen, Blumen, Sternen und Schriftzeichen zusammengesetzt. Die mit Gaudís Mitarbeitern, besonders Josep Maria Jujol, entwickelte Bank wurde 1914 vollendet.
AP 554 richtet den Blick nach oben. Fotografien von Türmen, Kaminen, Lüftungsaufsätzen und Treppenhausausgängen zeigen, wie Gaudí technische Bauteile in plastische Figuren verwandelte. Glasierte Keramik, Naturstein und modellierter Mörtel schützen die Konstruktion und verleihen jedem Abschluss eine eigene Silhouette. Besonders auf den Dächern von Casa Batlló und Casa Milà entsteht so eine begehbare Skulpturenlandschaft zwischen funktionalem Bauglied, Naturform und Symbol.
AP 380 · Casa Milà – La Pedrera
Rosario Segimon und Pere Milà beauftragten Gaudí 1906 mit ihrem Wohn- und Mietshaus am Passeig de Gràcia; 1912 war es fertiggestellt. AP 380 zeigt die lange, wellenförmig geführte Steinfassade, deren Öffnungen und schmiedeeiserne Balkone wie in eine zusammenhängende Felswand eingeschnitten erscheinen. Der Beiname „La Pedrera“ – der Steinbruch – bezog sich zunächst spöttisch auf diese ungewöhnliche Wirkung.
Hinter der frei geformten Außenhaut liegt eine fortschrittliche Konstruktion aus Stützen und Trägern, die weitgehend ohne tragende Wohnungstrennwände auskommt. Zwei große Innenhöfe bringen Licht und Luft tief in den Gebäudekomplex; Rampen erschließen die Garage im Untergeschoss. Die Dachlandschaft verbirgt Treppenhäuser, Lüftung und Schornsteine in skulpturalen Körpern. Gaudís letztes großes ziviles Werk verbindet damit flexible Grundrisse, technische Innovation und ornamentale Erfindung.
AP 528 und AP 237 · Barcelonas Stadtraum und der Pavillon der Moderne
AP 528 dokumentiert Les Rambles als zusammenhängende Fassadenfolge auf beiden Seiten der Promenade zwischen Plaça de Catalunya und Hafen. Der Weg folgt dem Rand der mittelalterlichen Stadt; der frühere Wasserlauf wurde nach dem Bau der Raval-Mauer im 15. Jahrhundert umgeleitet. Aus diesem Grenzraum entwickelte sich Barcelonas berühmteste Flaniermeile. Das Poster erfasst nicht nur einzelne Monumente, sondern die urbane Kontinuität aus Hotels, Wohn- und Geschäftshäusern, Theatern und öffentlichen Einrichtungen entlang der fünf Abschnitte Canaletes, Estudis, Sant Josep, Caputxins und Santa Mònica.
AP 237 stellt diesem dichten Straßenraum den offenen Grundriss des Barcelona-Pavillons gegenüber. Ludwig Mies van der Rohe und Lilly Reich entwarfen ihn als deutschen Beitrag zur Internationalen Ausstellung von 1929. Schlanke Stützen tragen eine flache Dachplatte, während frei gesetzte Wände aus Glas, Travertin, Marmor und Onyx den Raum führen, ohne ihn in geschlossene Zimmer zu teilen. Wasserbecken erweitern die Architektur durch Spiegelungen. Nach der Ausstellung abgebaut, wurde der Pavillon von 1983 bis 1986 am ursprünglichen Ort rekonstruiert. Das Poster zeigt Ansicht und Grundriss und macht die Unabhängigkeit von Tragstruktur und Raumgrenzen besonders klar.
AP 120, AP 121, AP 308, AP 238 und AP 570 · El Escorial
Philipp II. gründete El Escorial 1563 als Kloster, königliche Residenz, Bildungsstätte und dynastisches Pantheon. Juan Bautista de Toledo entwickelte den komplexen Gesamtplan; nach seinem Tod führte Juan de Herrera das Werk zu Ende. Der letzte Stein wurde 1584 gesetzt. Hinter den langen, fast schmucklosen Granitfronten liegen Kirche, Kloster, Palast, Kolleg, Seminar und Bibliothek, geordnet um zahlreiche Höfe. Die strenge, als „herrerianisch“ bezeichnete Architektur brach mit früheren spanischen Stilen und wurde für Jahrzehnte vorbildlich.
Die fünf Plakate erschließen den riesigen Komplex aus unterschiedlichen Blickwinkeln. AP 120 zeigt eine historische Vogelschau, in der Höfe, Gärten und die zentrale Basilika räumlich zusammenwirken. AP 121 entwickelt die Anlage als lange Seitenansicht. AP 308 verbindet den Grundriss mit vier kolorierten Fassaden und erklärt so das Verhältnis von innerer Organisation und äußerer Geschlossenheit. AP 238 isoliert die Kirchenfront mit Kuppel und Glockentürmen; AP 570 zeigt die ausgedehnte Gesamtfront, über der die Basilika als geistiges und kompositorisches Zentrum aufragt. El Escorial gehört seit 1984 zum UNESCO-Welterbe.
AP 214, AP 119, AP 407 und AP 567 · Die Nasridenpaläste der Alhambra
Die Alhambra entwickelte sich seit dem 13. Jahrhundert zur befestigten Palaststadt der Nasriden über Granada. AP 214 zeigt im Lageplan, wie Alcazaba, Paläste, Wohn- und Verwaltungsbereiche, Gärten und Befestigungen das langgestreckte Plateau besetzen. Die Gesamtanlage folgt keinem einzigen symmetrischen Masterplan; sie entstand aus aufeinander bezogenen Höfen, Raumgruppen, Wegen und Wasserläufen. Gerade diese Verbindung von Architektur, Topografie, Bewässerung und Vegetation macht die Alhambra zu einem einzigartig erhaltenen Beispiel einer mittelalterlichen islamischen Palaststadt.
AP 119 zeichnet eine reich ornamentierte Fassade des Comares-Palastes. Geometrische Fliesenmosaike, Stuckflächen, Kalligraphie und fein gegliederte Fensterzonen verwandeln die Wand in eine vielschichtige, beinahe textile Oberfläche. AP 407 führt als Schnitt durch den Löwenhof und zeigt die filigranen Säulenarkaden zwischen den hohen Sälen des unter Muhammad V. um 1380 vollendeten Palastes. AP 567 konzentriert sich auf den Saal der zwei Schwestern: Über dem quadratischen Raum wächst eine Muqarnas-Kuppel aus einer zentralen Sternfigur zu Tausenden prismatischen Zellen empor. Licht aus den Fenstern am Kuppelansatz lässt die massive Konstruktion optisch in ein schwebendes Himmelsgewölbe übergehen.
AP 710 · Der Palast Karls V. in der Alhambra
Nach der christlichen Eroberung Granadas 1492 blieb die Alhambra königlicher Sitz. Kaiser Karl V. ließ im Herzen der Anlage einen neuen Renaissancepalast errichten, dessen Bau Pedro Machuca um 1527 begann. AP 710 zeigt die streng gegliederte Außenfassade: Rustika und Rundfenster prägen das untere Geschoss, während Pilaster, Fenster und Reliefmedaillons das obere ordnen. Hinter dem nahezu quadratischen Außenbau liegt überraschend ein kreisrunder, zweigeschossiger Säulenhof.
Der Palast setzt dem kleinteiligen, ornamentreichen Raumgefüge der Nasriden eine monumentale Geometrie nach italienischem Vorbild entgegen. Gerade diese unmittelbare Nachbarschaft macht die Alhambra auch zu einem Zeugnis des kulturellen Umbruchs: Islamische Palastkunst des Mittelalters und humanistische Renaissancearchitektur bestehen nicht getrennt, sondern als spannungsreicher historischer Zusammenhang. Alhambra und Generalife wurden 1984 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen, 1994 kam der Albayzín hinzu.