Andrea Palladio: Villen, Paläste und öffentliche Bauten
Andrea Palladio (1508–1580) entwickelte aus dem genauen Studium der römischen Antike eine unverwechselbare Architektur für die Gesellschaft des Veneto. Seine Stadtpaläste fügen klassische Ordnungen in das mittelalterliche Vicenza ein, seine Villen verbinden landwirtschaftliche Nutzung mit repräsentativer Wohnkultur. Die vierzehn Motive zeigen einzelne Hauptwerke ebenso wie Übersichten, in denen sich Proportionen, Fassadentypen und die ungewöhnliche Vielfalt seines Œuvres vergleichen lassen.
AP 101 und AP 102 · Gebaute Werke und Entwürfe
AP 101 versammelt erhaltene Bauten Palladios als präzise, maßstäblich wirkende Ansichten; AP 102 stellt ihnen geplante und nicht oder verändert ausgeführte Projekte gegenüber. Gemeinsam machen die Tafeln sichtbar, wie Palladio wenige Grundelemente – Säulenordnung, Giebel, Loggia, Arkade und klar proportionierten Baukörper – für ganz unterschiedliche Aufgaben variierte. Seine 1570 veröffentlichten Quattro libri dell’architettura trugen diese Verbindung aus gebauter Erfahrung, Rekonstruktion der Antike und idealem Entwurf weit über Italien hinaus.
AP 559 und AP 388 · Die Villen im Veneto
Die beiden Übersichtsposter ordnen zahlreiche palladianische Villen als farbige Fassadenstudien. Dabei wird eine neue Form des Landsitzes erkennbar: Das herrschaftliche Haus erscheint häufig wie ein antiker Tempel mit Freitreppe, Säulenloggia und Dreiecksgiebel, während seitliche Wirtschaftsflügel die Bewirtschaftung des Gutes aufnehmen. AP 559 bietet die umfangreiche Hochformat-Übersicht, AP 388 eine konzentrierte Auswahl im Querformat. Gerade der direkte Vergleich zeigt, wie Palladio Symmetrie und klassische Würde stets an Ort, Auftraggeber und landwirtschaftliche Funktion anpasste.
AP 323 und AP 352 · Villa Foscari, die „Malcontenta“
Palladio errichtete die Villa Foscari von 1560 bis 1565 für die Brüder Nicolò und Alvise Foscari am Brenta, nahe der Lagune von Venedig. Anders als viele seiner Gutshöfe steht sie als kompakter, erhöhter Baukörper ohne landwirtschaftliche Nebenflügel in der Landschaft. Der ionische Tempelportikus prägt die dem Wasser zugewandte Hauptseite, während die Rückfront durch ein großes Thermenfenster und die innere Raumordnung bestimmt wird. AP 323 und AP 352 dokumentieren beide Seiten und zeigen, wie unterschiedlich Palladio Vorder- und Rückansicht eines symmetrisch organisierten Hauses formulierte.
AP 321 und AP 223 · Villa Rotonda
Die 1566 für den aus Rom zurückgekehrten Paolo Almerico entworfene Villa Almerico Capra ist keine typische landwirtschaftliche Villa, sondern eine suburbane Residenz auf einer Anhöhe vor Vicenza. Vier gleichwertige Tempelportiken öffnen den annähernd quadratischen Bau in alle Himmelsrichtungen zur Landschaft; im Zentrum liegt der von einer Kuppel überwölbte Rundsaal. Diese Verbindung aus zentraler Geometrie und wechselnden Ausblicken machte die Rotonda zu einer Ikone der Architekturgeschichte. Das Motiv ist als AP 321 und in der kleineren Ausgabe AP 223 erhältlich.
AP 351 und AP 322 · Villa Emo und Villa Barbaro
Villa Emo entstand 1559 bis 1565 für Leonardo Emo in Fanzolo. Das erhöhte Herrenhaus, die langen geraden Barchessen und die abschließenden Taubentürme bilden in AP 351 eine einzige streng gegliederte Front – landwirtschaftlicher Betrieb und Wohnsitz werden zur architektonischen Einheit. Für Daniele und Marcantonio Barbaro entwarf Palladio um 1554 bis 1558 in Maser eine kompaktere Anlage: Das zentrale Haus und die Wirtschaftsflügel liegen ebenfalls in einer durchgehenden Achse, im Inneren ergänzen Fresken Paolo Veroneses die Architektur. AP 322 zeigt die lange, zugleich festliche und funktionale Gesamtfassade.
AP 320, AP 389 und AP 391 · Palladios Vicenza
Mit den ab 1549 errichteten Loggien umhüllte Palladio den älteren Palazzo della Ragione und gab Vicenzas politischem und wirtschaftlichem Zentrum ein neues Gesicht. Die wiederholte Serliana – ein großer Bogen zwischen zwei kleineren rechteckigen Öffnungen – gleicht unterschiedliche Jochbreiten aus und erzeugt den ruhigen Rhythmus der Basilica Palladiana in AP 320. Palazzo Chiericati, ab 1551 für Girolamo Chiericati gebaut, reagiert mit erhöhtem Podium und doppelgeschossigen Loggien auf seinen damaligen Standort am offenen Stadtrand (AP 389). AP 391 stellt mehrere Palastfassaden zusammen und zeigt, wie Palladio seine klassische Ordnung immer wieder an schmale Grundstücke und vorhandene Häuser der mittelalterlichen Stadt anpasste.
AP 324 und AP 390 · Teatro Olimpico und Il Redentore
Das 1580 begonnene Teatro Olimpico war Palladios letzter großer Auftrag in Vicenza. Für die Accademia Olimpica übertrug er seine Studien Vitruvs und antiker Ruinen in ein dauerhaftes Renaissancetheater. Nach seinem Tod vollendete sein Sohn Silla den Bau; Vincenzo Scamozzi schuf für die Eröffnung von 1585 die perspektivischen Straßen von Theben hinter der Bühnenwand, die AP 324 eindrucksvoll festhält. Die venezianische Kirche Il Redentore geht auf ein Gelübde des Senats während der Pest von 1575 bis 1577 zurück. Palladios 1576 entworfene und ab 1577 errichtete Kirche verbindet im Inneren klar gegliederte liturgische Räume; die in AP 390 gezeigte Fassade verschränkt mehrere antike Tempelfronten zu einem ausgewogenen Ganzen.