Französische Schlösser: Renaissance und Grand Siècle
Die sieben Motive zeigen, wie sich das französische Schloss vom repräsentativen Landsitz der Renaissance zur weitläufigen Residenz des absolutistischen Königtums entwickelte. Hohe Dächer, Türme und Wehrmotive treffen zunächst auf italienische Proportionen und neue Treppenanlagen; im 17. Jahrhundert werden Architektur, Ausstattung und Garten zu einer einzigen, streng auf Sichtachsen aufgebauten Komposition.
AP 701 · Château d’Azay-le-Rideau
Gilles Berthelot, Finanzier unter Franz I., ließ ab 1518 auf einer Insel der Indre einen neuen Landsitz errichten; seine Frau Philippe Lesbahy leitete den Bau während seiner Abwesenheit. Azay-le-Rideau verbindet französische Tradition mit Formen der italienischen Renaissance: Steile Schieferdächer, Ecktürme und angedeutete Wehrgänge bewahren die Silhouette eines spätmittelalterlichen Schlosses, während große regelmäßig gesetzte Fenster und die gerade, in die Fassade integrierte Treppe modernen Wohnkomfort ankündigen. AP 701 zeigt diese spannungsvolle Verbindung in der berühmten Südansicht.
AP 702 · Château de Chambord
Franz I. ließ Chambord ab 1519 als monumentales Jagd- und Repräsentationsschloss in der Sologne errichten. Im Zentrum des quadratischen Donjons liegt eine doppelläufige Wendeltreppe: Zwei ineinander verschränkte Spiralen erlauben den Auf- und Abstieg, ohne dass sich ihre Benutzer begegnen. Der Grundriss ordnet vier gleichartige Wohnbereiche um ein griechisches Kreuz, während auf der Dachterrasse Kamine, Türmchen und Laternen eine beinahe städtische Silhouette bilden. AP 702 macht den Gegensatz zwischen der strengen Symmetrie des Baukörpers und dieser phantasievollen Dachlandschaft sichtbar. Leonardos Entwürfe gelten als wichtige Inspirationsquelle, eine direkte Urheberschaft ist jedoch nicht belegt.
AP 703 · Château de Chenonceau
Das heutige Hauptgebäude entstand 1513 bis 1517 für Thomas Bohier und vor allem seine Frau Katherine Briçonnet auf den Pfeilern einer älteren Mühle im Cher. Diane de Poitiers ließ später die Brücke über den Fluss bauen; ab 1576 setzte Catherine de’ Medici durch Jean Bullant eine zweigeschossige Galerie darauf. So wurde aus dem kompakten Renaissanceschloss ein langgestreckter Bau, der den Fluss nicht nur begleitet, sondern überspannt. AP 703 zeigt diese ungewöhnliche Seitenansicht mit Hauptgebäude, Brückenbögen und Galerie als zusammenhängende Architektur.
AP 398 · Château de Fontainebleau
Aus einem seit dem 12. Jahrhundert genutzten königlichen Jagdsitz ließ Franz I. ab 1528 einen Renaissancepalast formen, den seine Nachfolger bis ins 19. Jahrhundert immer wieder erweiterten. Deshalb gruppieren sich heute unterschiedliche Flügel unregelmäßig um fünf Höfe. Französische Bauformen verbanden sich mit der Arbeit italienischer Künstler wie Rosso Fiorentino und Francesco Primaticcio; daraus entstand die einflussreiche Schule von Fontainebleau. AP 398 zeigt die lange Hoffassade mit ihren verschiedenartigen Pavillons und der charakteristischen hufeisenförmigen Treppe – ein lesbares Bild der über Jahrhunderte gewachsenen Residenz.
AP 399 · Château de Vaux-le-Vicomte
Nicolas Fouquet, Finanzminister Ludwigs XIV., beauftragte 1653 Louis Le Vau mit dem Schloss, Charles Le Brun mit der Ausstattung und André Le Nôtre mit dem Garten. Ihre enge Zusammenarbeit verband Bau, Innenräume, Wasserflächen und Landschaft erstmals zu einem einheitlichen Gesamtkunstwerk des französischen Klassizismus. Der zentrale ovale Salon öffnet den Blick entlang einer kilometerlangen Hauptachse, während Seitenflügel und Pavillons den Bau symmetrisch staffeln. AP 399 zeigt die Gartenfront, deren plastische Mitte und hohe Dächer den Übergang von der intimen Residenz zur großen zeremoniellen Anlage markieren. Das 1661 vollendete Vaux wurde zu einem entscheidenden Vorbild für Versailles.
AP 397 und AP 563 · Schloss und Park von Versailles
Versailles ging aus dem 1631 bis 1633 errichteten Jagdschloss Ludwigs XIII. hervor. Ludwig XIV. ließ den älteren Backsteinbau bewahren und ab 1668 durch Louis Le Vaus steinerne „Enveloppe“ erweitern; Jules Hardouin-Mansart ergänzte später unter anderem die großen Seitenflügel und den Spiegelsaal. 1682 wurden Hof und Regierung dauerhaft in Versailles eingerichtet. AP 397 zeigt die außergewöhnliche Länge und den gleichmäßigen Rhythmus der Gartenfassade.
Für AP 563 weitet sich der Blick vom Gebäude auf die gesamte Anlage. Ludwig XIV. übertrug André Le Nôtre 1661 die Gestaltung der Gärten. Parterres, Bosketts, Brunnen und Wege ordnen sich um eine Ost-West-Achse, die vom Schloss über den Latona-Brunnen und die königliche Allee bis zum kreuzförmigen Grand Canal reicht; eine zweite Hauptachse verläuft von Norden nach Süden. Der Plan macht sichtbar, wie Perspektive, Geometrie und aufwendig gelenktes Wasser die Landschaft zum politischen Bild königlicher Ordnung formen.