Prager Architektur zwischen Altstadt und Burg
Die sechs Architekturplakate führen vom mittelalterlichen Machtzentrum der Prager Burg zum Altstädter Ring, dessen Fassaden Gotik, Renaissance, Barock und Rokoko zu einem vielschichtigen Stadtbild verbinden. Einzelne Bauwerke und geschlossene Häuserzeilen lassen dabei erkennen, wie Prag über viele Jahrhunderte gewachsen ist.
AP 370 · Praha, Chrám sv. Mikuláše
Die St.-Nikolaus-Kirche am Altstädter Ring entstand 1732 bis 1737 nach Plänen von Kilián Ignác Dientzenhofer. Der Benediktinerabt Anselm Vlach finanzierte den Neubau, nachdem ein Brand von 1689 die ältere Kirche zerstört hatte. Bernardo Spinetti schuf den Stuck, Cosmas Damian Asam die Fresken und Antonín Braun den plastischen Schmuck. Das Plakat zeigt die bewegte Barockfassade mit ihrem vorspringenden Mittelteil, den beiden Türmen und der gestaffelten Dachlandschaft als präzise Frontalansicht.
AP 549 und AP 003 · Praha, Katedrála sv. Víta
Karl IV. begann 1344 mit dem Bau des gotischen Veitsdoms. Matthias von Arras und anschließend Peter Parler errichteten den Kapellenkranz, den Chor, die Wenzelskapelle, das Goldene Tor und Teile des großen Südturms. Die Hussitenkriege unterbrachen die Arbeiten 1419; erst im 19. Jahrhundert wurde der Bau in neugotischen Formen fortgesetzt und 1929 vollendet. Die lange Seitenansicht auf dem Plakat macht das Nebeneinander mittelalterlicher Partien, späterer Turmabschlüsse und der neugotischen Ergänzungen besonders gut lesbar.
AP 366 und AP 001 · Praha, Staroměstská radnice
Das Altstädter Rathaus wurde 1338 als Sitz der städtischen Selbstverwaltung eingerichtet und wuchs durch die Verbindung mehrerer Bürgerhäuser. Der 69,5 Meter hohe Turm war 1364 vollendet; 1410 kam die astronomische Uhr hinzu. Bei den Kämpfen des Prager Aufstands im Mai 1945 wurden Ost- und Nordflügel zerstört und nicht wiederaufgebaut. Das Plakat dokumentiert den erhaltenen Gebäudekomplex mit seinen romanischen, gotischen, Renaissance- und späteren Bauteilen sowie der berühmten Rathausuhr.
AP 367 und AP 368 · Praha, Staroměstské náměstí
Der Altstädter Ring entwickelte sich seit dem 10. Jahrhundert als Markt an der Kreuzung europäischer Handelswege. Im 14. Jahrhundert kamen Rathaus und Teynkirche hinzu; später prägten unter anderem die barocke St.-Nikolaus-Kirche und das Rokoko-Palais Kinský den Platz. AP 367 konzentriert sich auf die monumentale Teynkirche und ihre Nachbarbauten. AP 368 stellt dagegen eine lange Folge schmaler Bürgerhausfassaden zusammen und zeigt, wie unterschiedliche Giebel, Farben und Umbauphasen dennoch ein geschlossenes Platzbild ergeben.
AP 369 · Praha Hrad, Zlatá ulička
Das Goldene Gässchen entstand im Zusammenhang mit den neuen nördlichen Befestigungen der Prager Burg am Ende des 15. Jahrhunderts. In den kleinen Häusern lebten Burgschützen, Handwerker, Familien und später auch Künstler; Haus Nummer 22 bewohnte Franz Kafka während des Ersten Weltkriegs. Die letzten Bewohner zogen 1953 aus. Die heute bekannten Fassadenfarben gehen wesentlich auf Entwürfe des Künstlers Jiří Trnka aus den 1950er-Jahren zurück. Das Panorama des Plakats betont die niedrige, fast rhythmische Folge der dicht aneinandergereihten Häuser.