Die Grand-Place von Brüssel: Gotik, Barock und Neugotik
Die fünf Architekturplakate erschließen die Grand-Place als geschlossenes Stadtbild und zugleich als Ensemble sehr unterschiedlicher Einzelbauten. Mittelalterliche Stadtgeschichte, gotische Repräsentationsarchitektur und die barocke Wiederaufbauleistung nach 1695 treffen hier unmittelbar aufeinander.
AP 550 · La Grand’ Place de Bruxelles
Die Grand-Place entstand aus einem Markt, der bereits im 12. Jahrhundert das wirtschaftliche Zentrum Brüssels bildete. Im 15. Jahrhundert kamen das gotische Rathaus und die Häuser der Handwerkszünfte hinzu. Beim französischen Bombardement von 1695 wurde der Platz fast vollständig zerstört und anschließend innerhalb weniger Jahre wiederaufgebaut. Trotz späterer Restaurierungen blieb seine historische Anlage weitgehend erhalten. Das Übersichtsplakat stellt Rathaus, Maison du Roi und mehrere Zunfthausgruppen als einzelne Fassaden zusammen und macht so die architektonische Vielfalt innerhalb des geschlossenen Platzbildes sichtbar.
AP 371 und AP 004 · Bruxelles, Hôtel de Ville
Mit dem Bau des Brüsseler Rathauses wurde 1402 begonnen; 1454 war der gotische Bau mit der Aufstellung des Erzengels Michael auf der Turmspitze vollendet. Der 1449 errichtete, rund 96 Meter hohe Turm von Jan van Ruysbroeck prägt bis heute die Silhouette der Unterstadt. Beim Bombardement von 1695 brannte das Rathaus aus, doch Mauern und Turm blieben stehen und konnten in den Wiederaufbau einbezogen werden. Das Plakat zeigt die reich gegliederte Platzfassade mit ihren Arkaden, Maßwerkfenstern, steilen Dachflächen und dem schlanken Mittelturm.
AP 372 und AP 005 · Bruxelles, Maison du Roi
Der französische Name Maison du Roi erinnert an die Herzöge von Brabant und später an Kaiser Karl V.; die niederländische Bezeichnung Broodhuis verweist auf den Brotmarkt, der sich hier bereits im 13. Jahrhundert befand. Der Vorgängerbau aus dem frühen 16. Jahrhundert wurde im 19. Jahrhundert wegen seines schlechten Zustands abgetragen. Stadtarchitekt Pierre-Victor Jamaer schuf ab 1873 den heutigen neugotischen Bau nach historischen Vorbildern. Die auf dem Plakat dargestellte Fassade gehört daher nicht zum mittelalterlichen Originalbestand, sondern zu einer historistischen Rekonstruktion. Heute beherbergt das Gebäude das Museum der Stadt Brüssel.
AP 373 und AP 374 · Zunfthäuser der Grand-Place
Die reich geschmückten Häuser rund um den Platz waren eng mit den Brüsseler Handwerkszünften verbunden. Nach der Zerstörung von 1695 wurden die meisten Fassaden 1697 und 1698 in kurzer Folge neu errichtet. Barocke Giebel, Skulpturen, Vergoldungen und individuelle Hauszeichen unterscheiden die einzelnen Gebäude; zugleich sorgten abgestimmte Baufluchten und Proportionen für die außergewöhnliche Einheit des Platzes. Die beiden Plakate isolieren ausgewählte Häuserzeilen aus dem Gesamtbild und erlauben dadurch einen besonders genauen Vergleich ihrer Fassadenkompositionen.